Die Bindung des Kindes an seine Eltern bezeichnet man als „Attachment“. Das Gegenstück, die Beziehung der Eltern zu ihrem Kind, als „Bonding“. Experten gehen davon aus, dass die Phase unmittelbar nach der Geburt entscheidend für die Qualität der späteren Beziehung der Eltern zu ihrem Kind ist. Das spricht für die Praxis der sogenannten „sanften“ Geburt.

Das Attachment gegenüber den Eltern kristallisiert sich im Verlauf der ersten Lebenswochen des Neugeborenen heraus. In der ersten Woche reagiert das Neugeborene noch auf alle Personen in gleicher Weise. Doch das Kind lernt schnell, Menschen voneinander zu unterscheiden.

Ab dem siebten Lebensmonat ist die Objekt- und Personenpermanenz vollständig entwickelt. Das heißt, die Gedächtniskapazität des Kindes hat sich soweit entwickelt, dass es zwischen Vergangenheit und Gegenwart unterscheiden kann. Aufgrund dieser Kompetenz registriert es, wenn sich eine Bezugsperson, die sich gerade noch in seiner Nähe aufgehalten hat, von ihm entfernt. Aufgrund ihrer fehlenden Autonomie sind die Kinder aber auf sie angewiesen.

„Trennungsangst“ tritt auf. Das Kind hat Angst, von den Bezugspersonen allein gelassen zu werden.

Entfernt sich die Mutter und verlässt das Zimmer, beginnt das Kind zu weinen und zu schreien. Hinsichtlich der Bindung an seine Bezugspersonen zeigt das Kind aktives Suchen nach deren Nähe.

Parallel zu der Trennungsangst tritt das „Fremdeln“ auf. Sie stellt die zweite Grundangst dar, die bei allen Kindern zu beobachten ist. Im siebten bis neunten Monat beginnen die Kinder, „Fremdenangst“ zu zeigen. Auf die Annäherung von unbekannten Personen reagieren sie mit Weinen und extremer Zurückhaltung. Diese Verhaltensweise ist normal und Ausdruck einer gelungenen Beziehungsetablierung zu den Bezugspersonen.
Mit der Zeit verschwindet die Angst vor Fremden von alleine wieder.

Gleiches gilt für die Trennungsangst. Im 14. und 18. Lebensmonat erreicht sie normalerweise ihren Höhepunkt und fällt dann graduell bis zur völligen Remission ab.

Im Alter von drei Jahren fühlen sich Kinder sicher genug, auf die ständige Anwesenheit der Mutter verzichten zu können.
Auf fremde Kinder oder Erwachsene reagieren sie nun mit Interesse und ohne Angst. Besteht die Trennungsangst in diesem Alter weiter, spricht man bereits von einer Störung der Trennungsangst.


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