Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass unser gesamtes Verhalten auf Lernprozessen beruht Auch das Entstehen von Depressionen basiert demzufolge auf speziellen Lernerfahrungen.

Konkret handelt es sich um ein Ausbleiben positiver Verstärkung, das zur Ausbildung depressiver Verhaltensweisen führt. Positive Verstärkung kann jede Form der Belohnung oder Nicht-Bestrafung darstellen, die von der Person kognitiv mit einer bestimmten, von ihr gezeigten Verhaltensweise in Verbindung gebracht wird. Wird ein Kind zum Beispiel gelobt, weil es seine Hausaufgaben besonders sorgfältig gemacht hat, kann dieses positive soziale Feedback dazu führen, dass die gleiche Verhaltensweise beim nächsten mal mit noch größerem Eifer ausgeführt wird, da Lob antizipiert wird. Mobbing oder Ärger in der Familie führen dagegen dazu, dass die Anzahl der negativen Verstärkungen zunimmt.

In Verbindung mit einem pessimistischen Attributionsstil kann dann gelernte Hilflosigkeit entstehen. Die wenigen positiven Ereignisse werden von Menschen, die zu den entsprechenden Kognitionen neigen, nicht mehr als Resultate ihres eigenen Handeln angesehen, sondern als zufällige Begebenheiten. Gleiches gilt für negative Ereignisse. Sie werden als nicht durch das eigene Vermeidungsverhalten kontrollierbar wahrgenommen. Aus dem Mangel an Kontingenzerfahrungen resultiert Passivität.

Im Glauben, die Umwelt nicht beeinflussen zu können, beginnt die betroffene Person, ihre Aktivitäten einzuschränken und gerät in einen Zustand zunehmender Teilnahmslosigkeit.
Die Abnahme des aktiven Agierens führt dazu, dass immer weniger Chancen bestehen, positive Verstärkung zu erhalten. Lässt sich eine leicht depressive Person zum Beispiel krankschreiben und geht nicht mehr zur Arbeit, nimmt sie sich dadurch die Möglichkeit, Annerkennung für ihre beruflichen Leistungen zu erhalten. Der Rückzug aus dem Freundes- und Bekanntenkreis verhindert Erfahrungen von Akzeptanz.

Das mangelnde positive Feedback führt oft zu einer weiteren Einschränkung der Aktivitäten. Dieser Teufelskreis mündet schließlich in der Depression.
Im Rahmen der positiven Verstärkungen kommt den sozialen, also durch den Mitmenschen erfolgenden, eine besondere Bedeutung zu. Lob und Anerkennung scheinen für unser Wohlbefinden essentiell zu sein. Bleiben Aufmerksamkeit anderer und Akzeptanz aus, fühlen wir uns unnütz und beginnen, an uns selbst zu zweifeln.

In dieser Hinsicht scheint das soziale Umfeld das Entstehen einer Depression unter Umständen begünstigen zu können. Ob sich ein Mensch negativ von seiner Umwelt beeinflussen lässt, hängt allerdings nicht nur von der Außenwelt, sondern zum entscheidenden Teil auch von den Kognitionen des Betroffenen selber ab. In dieser Hinsicht spielen Erinnerungen in Form der gelernten Hilflosigkeit sowie die Attributionsstile eines Menschen eine eminente Rolle.


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