Kern der Verhaltenstheorie stellt die Annahme dar, dass unser gesamtes Lernen auf Prozessen der Habitualisierung, Sensibilisierung des der Konditionierung basiert. Dementsprechend gehen Vertreter des Paradigmas davon aus, dass auch Depressionen erlernte Verhaltensweisen darstellen. Normales, alltägliches Verhalten werde durch depressive Handlungsweisen, wie Weinkrämpfe oder Bewegungslosigkeit, ersetzt. Ursache sei das Ausbleibens positiver Verstärkung.

Dementsprechend basiert die Verhaltenstherapie auf der Verstärkung nicht-depressiven Verhaltens. Dies geschieht in Anlehnung an den Mechanismus der Konditionierung. Zeigen die Patienten depressive Verhaltensweisen, werden diese seitens des Therapeuten ignoriert. Nicht-depressives Handeln wird hingegen durch Belohnung, zum Beispiel dem Schenken von Aufmerksamkeit, verstärkt.

Im Rahmen der Behandlung werden die Angehörigen des Betroffenen häufig in die Behandlung einbezogen, indem sie aufgefordert werden, nicht-depressives Verhalten ebenfalls zu verstärken. Gleichzeitig wird der Klient angehalten, verstärkt nicht-depressiven Aktivitäten nachzugehen, die ihm vor Beginn der Depression Freude bereitet haben. Auf einem Fragebogen gibt der Depressive hierzu zunächst früher als angenehm erlebte Aktivitäten an, wie zum Beispiel das Spielen eines Instruments oder das Treiben einer Sportart. Der Therapeut wählt in Folge einige dieser aus und fordert den Klienten auf, ihnen verstärkt nachzugehen.

Die Überprüfung findet mittels eines Tagesplans, auf dem die entsprechenden Tätigkeiten vermerkt werden, statt. Auf diese Weise wird der Patient gezwungen, sich nicht-depressiven Handlungsweisen zu beschäftigen. Dass resultierende Involvement führt dazu, dass die Symptome der Depression geringer werden und nicht-depressive Verhaltensweisen im Leben des Betroffenen wieder eine Rolle spielen.

Verstärkt wird das Handeln durch positives Feedback, durch welches gleichzeitig auch Erfolgserlebnisse und soziale Akzeptanz vermittelt werden. Das Ausmaß der Aktivitäten wird fortlaufend gesteigert, allerdings nur in der Form, dass sie für den Klienten zu bewältigen sind.

Ebenso wird versucht, die verzerrten Denkmuster der Betroffenen aufzubrechen und soziale Fähigkeiten zu schulen. Letztere Maßnahme soll helfen, wieder Kontakt zu den Mitmenschen zu knüpfen. Diese Maßnahme ist wichtig, da andere Menschen als Quelle positiver Verstärkungen dienen.
Die eigene Mimik und Gestik, die durch die Krankheit oft in Mitleidenschaft gezogen worden ist, kann mit Hilfe von Rollenspielen mit Feedback verbessert werden. Die negativ getönten Gedankenschleifen, die meist aus internalen Attributionstechniken, erlernter Hilflosigkeit und negativem Selbstbild resultieren, können dadurch gemildert werden, dass dem Klienten externale Lösungsalternativen angeboten werden. Die Reflexion über die eigenen Kognitionen soll es dem Patienten ermöglichen, seine Denkweise kritisch zu beleuchten und aktiv problemlösendes Verhalten zu entwickeln.


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