Das Schlafwandeln stellt eine sagenumwogene Form der Parasomnie dar. Somnambulismus tritt besonders oft bei Kindern und Jugendlichen auf. Nach der Pubertät kommt es oft zu einer spontanen Remission. Nur etwas mehr als zwei Prozent aller Erwachsenen sind von der Störung betroffen.
Schlafwandler zeigen komplexe motorische Äußerungen während des SWS (slow wave sleep), also in den Tiefschlafphasen. Ohne sich dessen bewusst zu sein, verlassen sie während des Schlafens das Bett und laufen durch die Gegend. Dabei können die Augen weit geöffnet sein.

Die motorische Koordination ist dabei meist nur eingeschränkt intakt. Scheinbar ziellos gehen Schlafwandler durch die Wohnung und verlassen diese im Extremfall sogar. Einige murmeln vor sich hin, andere wirken leicht verstört. Nach dem Schlafwandeln sind sich die Betroffenen in der Regel ihrer nächtlichen Ausflüge nicht bewusst.

Obwohl die Störung im SWS auftritt befinden sich die Betroffenen scheinbar in einem spezifischen Zwischenstadium zwischen Schlafen und Wachen. Die Gehirnaktivität gleicht eher der des Wachzustandes als der des Träumens und Schlafens. Das Schlafwandeln reduziert sich häufig, wenn während der Nacht Licht, zum Beispiel in Form einer kleinen Nachttischleuchte, angelassen wird.

Angehörige sollten versuchen, die schlafwandelnde Person sanft zurück zu ihrem Bett zu gleiten.
Ein Aufwecken aus diesem Zustand ist weniger geeignet, um den Somnambulismus zu unterbrechen, da die Betroffen mit Gereiztheit oder Verwirrung reagieren könnten. Um die Gefahren des Schlafwandelns einzudämmen, sollten zerbrechliche Gegenstände und Objekte, an denen sich der Betroffene verletzen kann, möglichst aus der Nähe der Ruhestatt entfernt und Haus- und Balkontüren während der Nacht so verschlossen sein, dass der Betroffene nicht in der Lage ist, sie zu öffnen.

Derartige Vorsichtsmaßnahmen sind, besonders wenn das Schlafwandeln bei Kindern auftritt, meist ausreichend. Eine Therapie ist nur dann notwendig, wenn die Störung bis ins Erwachsenenalter persistiert. In diesem Fall kann die Behandlung mit Medikamenten die Symptomatik lindern. Tritt das Schlafwandeln in Komorbidität mit einer psychatrischen Erkrankung auf, ist zudem über eine entsprechende Therapie nachzudenken.


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