Allergien-Entstehung, Nachweis und Behandlung

Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des menschlichen Immunsystems gegenüber bestimmten körperfremden Substanzen der Umwelt, die an sich völlig ungefährlich sind. Diese körperfremden Substanzen heißen Allergene. Für 20.000 Substanzen ist nach vorsichtigen Schätzungen eine allergieauslösende Wirkung bekannt. Bei den meisten Allergenen handelt es sich um Eiweißsubstanzen tierischer oder pflanzlicher Herkunft, beispielsweise von Blütenpollen, Milben und Schimmelpilzen.

 Allergene können auf unterschiedlichen Wegen in den menschlichen Körper gelangen. Kontaktallergene werden über die Haut aufgenommen, wohingegen Inhalationsallergene eingeatmet werden. Nahrungsmittelallergene (Ingestionsallergene) gelangen und über den Magen-Darm-Trakt in den Körper. Injektionsallergene wiederum werden in den Körper eingespritzt. Diese können Insektengifte, Medikamente oder Röntgenkontrastmittel sein. Eine Allergie entwickelt sich meist dann, wenn eine erbliche Neigung (Atopie) und Kontakt mit einem Allergen zusammentreffen. Die Wahrscheinlichkeit einer Allergie steigt, wenn eine familiäre Vorbelastung bekannt ist. Psychische Faktoren können die Entwicklung einer Allergie begünstigen. Nach Erstkontakt mit einem Allergen kommt es zur Immunantwort mit Antikörperbildung. Dieses bezeichnet man als Sensibilisierung. Kommt der Körper ein weiteres Mal mit dem Allergen in Kontakt, so entsteht eine allergische Reaktion.
Es werden vier verschiedene Formen allergischer Reaktionen unterschieden.

Die häufigste Form ist die IgE-vermittelte Typ-I-Reaktion (Soforttyp), bei der Zellen aktiviert werden, die entzündungsauslösende Substanzen freisetzen. Nach dem Allergenkontakt kann es innerhalb von Sekunden bis Minuten zur akuten allergischen Allgemeinreaktion (Anaphylaxie) kommen. Diese äußert sich mit Juckreiz, vermehrter Wassereinlagerung im Gewebe (Ödem), Schwellungen von Haut und Schleimhaut, Blutdruckabfall durch Gefäßerweiterung und Verengung der Bronchien. Ein massiver Blutdruckabfall kann zum anaphylaktischen (allergischen) Schock führen. Bei allergischem Bronchialasthma, allergischer Bindehautentzündung, Heuschnupfen oder Nesselsucht sowie bei lokaler Anschwellung (Quaddel) bleibt die allergische Typ-I-Reaktion auf einzelne Organe begrenzt.
Wesentlich seltener ist die Typ-II-Reaktion (zytotoxischer Typ). Hierbei greifen menschliche Antikörper Fremdstoffe auf der Oberfläche menschlicher Zellen an und zerstören diese. So können sich z.B. Medikamente an die Oberfläche körpereigener Zellen anlagern. Die Körperzelle wird daraufhin von der Körperabwehr als fremd erkannt und vernichtet. So kann es durch Medikamenteneinnahme zur Verminderungen der roten und weißen Blutkörperchen (hämolytische Anämie, Agranulozytose) oder der Blutplättchen (Thrombozytopenie) kommen.

Typ-III-Reaktionen (Immunkomplextyp) laufen verzögert ab und treten erst Stunden bis Tage nach dem Allergenkontakt auf. Als Antwort auf ein Allergen entstehen große Mengen an Immunkomplexen (Allergen-Antikörper-Verbindungen) im Blut. Diese Komplexe zirkulieren in den Blutgefäßen und dringen nach einiger Zeit ins Gewebe ein, wo sie zu Schädigungen führen. Beispiel ist die durch Schimmelpilz-Allergie ausgelöste Farmerlunge oder die allergische Alveolitis, die bei der sog. Vogelzüchterlunge (durch Taubenkotpartikel) entsteht. Auch einige Allergien gegen Medikamente, allergische Gefäßentzündung (Vaskulitis) und die Serumkrankheit sind Typ-III-Reaktionen.

Relativ häufig kommen Typ-IV-Reaktionen (Spättyp) vor. Diese werden erst 1-3 Tage nach einem wiederholten Allergenkontakt als zellvermittelte Allergie durch sensibilisierte T-Lymphozyten ausgelöst. Diese locken sogenannte Fresszellen an, welche wiederum eine allergische Entzündungsreaktion auslösen. An der Haut tritt diese Form als Kontaktallergie mit Kontaktekzem oder als Arzneimittelexanthem auf.

Nach einem Verdacht auf ein allergisch ausgelöstes Krankheitsbild kann eine gründliche Erhebung der Anamnese (Vorgeschichte) Hinweise auf mögliche Auslöser geben. Darüber hinaus werden unterschiedliche Testverfahren zur Allergenbestimmung eingesetzt.
Zum Nachweis einer Kontaktallergie dient der Epikutantest (Patchtest, Pflastertest, Läppchentest). Bei diesem Test wird ein spezielles Pflaster, welches mit Testsubstanzen getränkt ist, für eine Dauer von mehreren Tage auf die Haut aufgeklebt. Ist nach 48 und 72 h eine Rötung der Haut oder gar eine Blase zu erkennen, so ist der Test positiv. Mit diesem Test können Kontaktallergene wie Nickel, Kobalt, Formaldehyd, Desinfektionsmittel, Antibiotika und Salbengrundlagen nachgewiesen werden.

Beim Pricktest werden Allergene und ein Tropfen Flüssigkeit auf den Unterarm des Patienten aufgetragen und dann mit einer Nadel oberflächlich in die Haut gestochen. Zur Kontrolle wird ein Tropfen Histaminlösung (Positivkontrolle) und ein Tropfen Kochsalzlösung (Negativkontrolle) aufgebracht. Nach 20 Minuten wird die Reaktion auf die Allergene mit der Positiv- und Negativkontrolle verglichen. Stoffe, die allergische Sofortreaktionen wie Heuschnupfen oder Asthma auslösen können, werden mit dem Pricktest nachgewiesen. Ferner kommen der Scratch- und Intrakutantest zum Einsatz.
Wird ein Allergen direkt am betroffenen Organ getestet, z.B. ein verdächtigtes Nahrungsmittel verzehrt oder eine bestimmte Pollenart eingeatmet, so spricht man von einem Expositionstest.

Bei Nahrungsmittelallergien werden Suchdiäten durchgeführt. Ausgehend von allergenfreier Kost (Tee mit Traubenzucker) werden dem Essen in bestimmten Abständen allergenverdächtige Nahrungsmittel hinzugefügt (stufenweiser Kostaufbau), bis eine allergische Reaktion nachgewiesen werden kann. Eine Suchdiät dauert mehrere Tage, manchmal sogar mehrere Wochen. Sie kann für den Betroffenen sehr belastend sein.
Mit Blutuntersuchungen im Labor können v.a. durch den RAST (Radio-Allergo-Sorbent-Test) im Blutserum allergieauslösende Immunglobuline der Gruppe E nachgewiesen werden. Ein weiterer Bluttest ist z.B. der Basophilendegranulationstest, bei dem Veränderungen an Blutzellen nach Kontakt mit Allergenen im Reagenzglas untersucht werden.
Die im Rahmen einer Allergietestung ermittelten Allergene werden in einen Allergiepass eingetragen, den der Allergiker immer bei sich führen sollte.

Die Behandlung der Allergie ist abhängig vom Krankheitsbild. Grundsätzlich ist die Allergenkarenz, das Meiden des Allergens, die wichtigste Behandlungsmaßnahme. Hyposensibilisierungen können bei Allergien vom Soforttyp versucht werden. Hierdurch kann die Allergiebereitschaft gegenüber einem Allergen deutlich gesenkt werden. Die Behandlungsdauer liegt zwischen 3 und 5 Jahren.

Zur Behandlung allergischer Symptome, wie z.B. Augentränen, Hautjucken, Fließschnupfen oder Hautrötungen, werden moderne und nebenwirkungsarme Medikamente eingesetzt.
Antihistaminika und Antiallergika haben eine abschwellende und entzündungshemmende Wirkung. Es gibt sie als Tabletten, Augentropfen, Nasensprays und zur Inhalation. Gelegentlich störende Nebenwirkungen von Antihistaminika wie Müdigkeit oder Schwindelgefühl treten bei modernen Präparaten nur sehr selten auf. Cortisonpräparate wirken sehr stark antiallergisch und entzündungshemmend. Ihr Einsatz ist aufgrund möglicher, nicht unerheblicher Nebenwirkungen zwar begrenzt, häufig jedoch unbedingt erforderlich. Welches Präparat, wie lange und von welchen Patienten eingenommen werden muss, dass entscheidet der behandelnde Arzt nach medizinischen Gesichtspunkten.


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