Tiefe Traurigkeit bestimmt das Dasein - Wer unter Depressionen leidet, ist nicht in der Lage, seinem normalen Leben nachzugehen. Denn die Niedergeschlagenheit nimmt jeden Handlungsantrieb.

Die „Depression“ zählt zu den affektiven Störungen, also zu den Gemütskrankheiten, die sich symptomatisch durch eine längeranhaltende Veränderung der Stimmungslage kennzeichnen lassen. Wie auch Angststörungen, sind Depressionen relativ häufig: Schätzungsweise jeder zehnte Deutsche erlebt im Lauf seines Lebens diese Phasen der starken seelischen Verstimmung.

Trauer und Hoffungslosigkeit sind normale Gefühle und gehören zu unserem alltäglichen Leben. Misserfolge, Enttäuschungen oder Schicksalsschläge lösen in uns automatisch negative Emotionen aus, das ist eine natürlich Reaktion. Ob der Tod einer geliebten Person oder der Verlust des Jobs – Es gibt Ereignisse im Leben, die uns traurig stimmen.
Doch trotz der gleichen Grundstimmung ist die Unterscheidung zwischen Depression und natürlicher Trauer einfach. Denn im Gegensatz zu letzterer entstehen Depressionen ohne erkennbaren Grund. Zwar kann ein schlimmes Erlebnis ihren Beginn markieren, dennoch steht die erlebte Trauer in keinem Verhältnis zur aktuellen Lebenslage des Betroffenen.
Laut „DSM IV“ („Diagnostic and statistical manual of mental disorders“), dem offiziellen Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen, liegt eine Depression vor, wenn die Niedergeschlagenheit über mehrere Wochen hinweg ohne Unterbrechung bestehen bleibt und das normale Leben entscheidend einschränkt.

Handelt es sich dabei um eine Reaktion auf eine traumatische Erfahrung, spricht man von einer „reaktiven Depression“. Existiert kein äußerlich erkennbarer Anlass, handelt es sich um die „endogene“ Form.

Eine depressive Phase dauert im Durchschnitt etwa sechs bis neun Monate, kann sich aber auch über viele Jahre erstrecken. Typischerweise erleben zu Depressionen neigende Menschen mehrere dieser Abschnitte im Verlauf ihres Lebens.
Im schlimmsten Fall kann sich eine depressive Phase so weit steigern, dass die Betroffenen die Fähigkeit des Fühlens für diese Zeit völlig verlieren. Während der Depression erscheint alles trist, und unwichtig. Die Welt wirkt freud- und farblos, nichts bietet einen Anreiz, aktiv zu werden. In diesem Zug verlangsamt sich oft das Sprechen und Denken der Betroffenen. Zudem paart sich das Desinteresse am Leben mit Selbstzweifeln und Schuldvorwürfen.

Alle möglichen Ursachen der Depression sind noch nicht geklärt. Fest steht, dass bestimmte Erfahrungen, wie zum Beispiel Schicksalsschläge oder das wiederholte Erleben der eigenen Hilflosigkeit, das Entstehen der tiefen Traurigkeit fördern. Niedergeschlagenheit und Frustration auslösende Erlebnisse können den Beginn einer Depression begünstigen.
Neben den Lebensumständen spielen biologische Faktoren, insbesondere der Hormonspiegel, eine Rolle.

Vielleicht haben Sie schon mal von der sogenannten „Wochenbettdepression“ gehört. Nach der Geburt erleben viele Mütter wegen des Umstellung der Hormonproduktion eine heftige Phase der Verstimmung. In seltenen Fällen kann aus demselben Grund auch die Einnahme der Anti-Baby-Pille Depressionen hervorrufen. Das Gleiche gilt für Störungen der Schilddrüsenfunktion.

Besonders das sogenannte „Serotonin“ übt einen starken Einfluss auf unser Empfinden aus. Daher kann eine Depression durch eine verminderte Ausschüttung dieses Hormons hervorgerufen werden. Veränderungen im Haushalt der „Neurotransmitter“, der Botenstoffe unserer Nervenzellen, scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen. Besonders die Bereiche des Hypothalamus, des Hippocampus und des Kortex sind für Änderungen ihrer Anteile anfällig.

Aufgrund der Einflüsse der chemischen Botenstoffe auf unser Seelenleben beziehen sich zahlreiche Therapieansätze auf die medikamentöse Regulierung des Hormonspiegels.
Die gezielte Behandlung der krankhaften Niedergeschlagenheit ist sehr wichtig. Denn wird eine Depression nicht rechtzeitig therapiert, kann sie sich bis zu Wahnvorstellungen und akuten Suizidwünschen steigern. In einem solchen Fall ist eine stationäre Behandlung oft unumgänglich.

Meist reicht aber eine ambulante Behandlung, um die übermäßige Traurigkeit in den Griff zu bekommen. Als bewährte Methode wird eine Psychotherapie in Verbindung mit der Gabe von Medikamenten eingesetzt.

Häufig werden wegen ihrer hohen Wirksamkeit sogenannte „Antidepressiva“ verschrieben. Allerdings rufen die Medikamente, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig eingenommen werden müssen, sehr häufig starke Nebenwirkungen wie Sehstörungen, Verwirrtheit oder Verdauungsprobleme hervor. Besonders ältere Menschen sind für diese sogenannten „anticholinergen Wirkungen“ anfällig. Eine weitere unerwünschte Begleiterscheinung sind die strengen Ernährungsregeln, die bei Einnahme sogenannter „MAO-Hemmer“, einer bestimmten Art der Antidepressiva, eingehalten werden müssen.
Weniger Nebenwirkungen besitzen die sogenannten „selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer“. Allerdings ist ihre Wirkung weniger ausgeprägt. Außerdem führen sie sehr oft zu Beeinträchtigungen des Sexuallebens.

Welches Medikament im Endeffekt das Beste ist, muss individuell entschieden werden.
Fragen zum Thema kann Ihnen Ihr Arzt beantworten. Im Zweifelsfall sollte der Rat eines Diplom-Psychologen oder eines Psychotherapeuten eingeholt werden.


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