In den USA ist die biploare Störung längst zum Psycho-Trend geworden. Immer mehr US-Bürger scheinen darunter zu leiden. Längst nutzen Pharmakonzerne die Angst der Menschen vor den Symptomen, um ihren Absatz zu steigern.
Mittlerweile werden selbst Kindern Medikamente gegen die psychische Störung verschrieben.

Dabei gingen die Wissenschaftler bisher davon aus, dass die „manische Depression“, wie man das Leiden früher nannte, frühestens im Jugendlichenalter auftritt. Dass nun selbst Fünfjährigen Produkte gegen die Gemütserkrankung verabreicht werden, sehen viele Fachleute daher mit Besorgnis.
Die Verfechter der medikamentösen Behandlung sprechen dagegen von Fehldiagnosen in den vergangenen Jahren. Zu Unrecht habe man bei vielen jungen Betroffenen andere psychische Störungen diagnostiziert, anstelle des Vorliegens einer bipolaren Störung zu erkennen.

In den letzten Jahren galten durchschnittlich nur etwa knapp zwei Prozent der US-Amerikaner als von der Krankheit betroffen.
Die bipolare Störung gehört zu der Gruppe der affektiven Psychosen und lässt sich durch extreme Gefühlsschwankungen kennzeichnen. Manische Zustände wechseln sich in unkalkulierbaren Zeitabständen mit depressiven Phasen ab.

Für letztere sind tiefe Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit die typischen Anzeichen.
Die Gefühle der Traurigkeit halten typischerweise drei bis sechs Monate an. Während dieser Zeit sind die Betroffenen meistens nicht in der Lage, ihren sozialen Pflichten und Verantwortungen nachzukommen. In Extremfällen werden sie völlig gefühllos, können weder Freude noch Trauer empfinden, sondern fühlen sich leer und lustlos. Appetit und sexuelles Interesse lassen nach. Tätigkeiten, die zuvor gerne ausgeführt wurden, interessieren die Betroffenen nicht mehr und werden vernachlässigt. Das kann soweit führen, dass jeder willentliche Handlungsantrieb erlischt. Der Verlust des Empfindens führt zudem häufig zu Selbstvorwürfen. Nicht selten münden depressive Phasen in Selbstmordgedanken oder sogar Suizidversuchen.

Im Fall der bipolaren Störung schlägt die Depression nach einiger Zeit in Manie um. Bei der weniger schweren Form der affektiven Psychose, der bipolaren Störung I, geschieht dies in relativ kurzen Zeitabständen. Bei der Form II der bipolaren Störung ziehen sich die einzelnen Episoden über Monate hinweg, und die Symptome sind stärker ausgeprägt.
Der Niedergeschlagenheit folgt exzessiver Tatendrang. Unbegründete Hochstimmung, Größenwahn und Aggressivität sind die Charakteristika einer manischen Phase, die sich bis zur Raserei und Verlust des Bezuges zur Wirklichkeit steigern kann.

Schnell kann sich die freudige Erregung der Betroffenen währen dieser Zeit in Reizbarkeit und offene Feindseligkeit verwandeln. Gleich eines Dr. Jekyll und Mr. Hyde schwanken die Betroffenen bei weniger ausgeprägten Formen häufig zwischen Impulsivität, Kreativität, Begeisterungsfähigkeit sowie Interesse für die Mitmenschen und drastischer Streitsucht, verbunden mit überheblichem Verhalten und Rücksichtslosigkeit gegenüber den Personen ihrer Umwelt.

Verringertes Schlafbedürfnis und sexuelles Verlangen begleiten die Manie häufig. Die extreme Aktivität und das aufdringliche, aggressive Verhalten der Betroffenen schädigt oder zerstört nicht selten sämtliche soziale Bindungen.
Die Verbindung von unüberlegten Handlungen, Halluzinationen und Hochstimmung kann für einen völligen Verlust des Bezuges zur Realität sorgen. Paranoia und Wahnvorstellungen von überzogenen eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten vollenden das Krankheitsbild. Die Selbstüberschätzung kann von unüberlegten Käufen bis zu absurden Einbildungen reichen. Im Größenwahn glauben einige, Reichtum und Einfluss zu besitzen, andere halten sich für Gott. In vielen Fällen geht mit diesen Gedanken die Vorstellung einher, von anderen Personen schikaniert oder gehasst zu werden.

In einigen Fällen stürzen sich manische Menschen von Häusern oder Brücken, in der festen Überzeugung, fliegen zu können. Andere essen Scherben oder sortieren stundenlang Besteck. Typischerweise sind die Betroffenen dabei überzeugt, dass es ihnen gut geht und sie keiner Hilfe bedürfen. Manische Personen gefährden sich und andere, durch unüberlegte Handlungen oder sozial unverträgliches Verhalten. Die damit verbundenen Risiken sehen die Betroffenen nicht.

Daher ist in den meisten Fällen eine Einweisung in ein Krankenhaus oder eine psychatrische Anstalt – auch gegen den Willen des Betroffenen - angebracht.
Denn die ständige sinnlose Unruhe der Betroffenen kann bis zum Tod durch Erschöpfung führen. Zudem müssen neben dem Betroffenen dessen Angehörige und Freunde geschützt werden, da das unüberlegte Handeln sie schnell in den finanziellen oder sozialen oder Ruin stürzen kann. Die Manie ist ein medizinischer und sozialer Notfall.

Behandelt wird die Manie in der Regel durch die Gabe von Medikamenten. Lithium kann die Symptome dämpfen. Bei normalen Gemütslagen zeigt die Substanz keine Wirkung, im Fall der Manie oder der bipolaren Störung hilft sie aber, Stimmungsumschwünge zu vermeiden. Da dessen Wirkung erst nach einigen Tagen einsetzt, verabreichen viele Mediziner zudem schnell wirkende Präparate, wie zum Beispiel Haloperidol. Gegen die depressiven Phasen der bipolaren Störung werden meistens Antidepressiva verordnet.

Die bipolare Störung muss also zwei Behandlungen integrieren, die gegen manische und die gegen depressive Zustände. Dies kann zu Komplikationen führen, da zahlreiche Antidepressiva das Entstehen manischer Gemütszustände fördern. Daher muss im individuellen Fall entschieden werden, ob etwa Serotonin-Aufnahmehemmer, trizyklische Antidepressiva oder Monoaminoxidasehemmer (MAO-Hemmer) gegen die Depressionen verabreicht werden. Während erstere weniger Nebenwirkungen haben als trizyklische Antidepressiva, werden sie oft bevorzugt eingesetzt. Auch MAO-Hemmer führen oft zu einer Verbesserung des geistigen Zustandes, erfordern allerdings von den Patienten das Einhalten einer strengen Diät.

Neben der medikamentösen Behandlung empfiehlt sich im Fall der bipolaren Störung, welche die Betroffenen in der Regel Zeit ihres Lebens begleitet, eine Familientherapie. Sie hilft den Familienmitgliedern, die extremen Launen ihres Angehörigen zu verstehen und damit einigermaßen umgehen zu können. In einigen Fällen ist eine dauerhafte Unterbringung in einer psychatrischen Anstalt angebracht.


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