Für viele Menschen gilt die Kindheit als eine glückliche Zeit. In vielen Fällen ist sie das auch. Aber es gibt auch Kinder, für die das Leben nicht unbeschwert ist. Denn neben körperlich bedingten Beschwerden, die durch einen Unfall oder eine Krankheit verursacht werden, können Kinder genauso wie Erwachsene an psychischen Störungen erkranken.
Schätzungen zufolge leidet ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen unter einer ernsthaften psychischen Störung. Besonders häufig sind Depressionen und Störungen des Sozialverhaltens. Weiterhin können in der Kindheit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) oder Störungen bei der Ausscheidung auftreten. Weiterhin leiden viele Kinder unter einer Phobie.
Wie bei Erwachsenen können auch bei Kindern verschiedene Formen dieser Angststörung auftreten. Generell unterscheidet man zwischen spezifischen Phobien, die sich auf bestimmte Objekte, zum Beispiel Spinnen oder enge Räume, beziehen, sozialer Phobie, generalisierter Angststörung und Zwangsstörungen. Eine weitere Form der Angststörungen, die ausschließlich in der Kindheit auftritt, ist die Trennungsangst.

Kinder mit Trennungsangst reagieren panisch und extrem ängstlich, sobald sie von Mutter oder Vater getrennt werden sollen. Die Angst vor der Trennung von den Bezugspersonen äußert sich darin, dass sich die Kinder weigern, alleine zu sein. Sie reagieren panisch, sobald sie merken, dass sich ihre Eltern räumlich von ihnen entfernen wollen. Einige Kinder fürchten zudem, ihr Zuhause zu verlassen.  Im Extremfall werden sie schon dann von Angst befallen, wenn sie sich alleine in einem Raum aufhalten sollten.
 
Neben der Weigerung, alleine zu sein, werden Kinder mit Trennungsangst von der ständigen Befürchtung gequält, ihren Eltern könne etwas zustoßen. Die Vorstellung langfristig von ihnen getrennt zu werden, ist für sie unerträglich. Laut DSM, dem offiziellen Kategoriensystem psychiatrischer Erkrankungen, tritt Trennungsangst vor einem Alter von 18 Jahren auf und hält mindestens vier Wochen lang an.
Schätzungen zufolge leiden vier Prozent der Kinder unter Trennungsangst. Oft ist ein belastendes Ereignis, zum Beispiel der Tod einer nahestehenden Person, ein Umzug oder Schulwechsel, der Auslöser. Die Trennungsangst kann in einigen Fällen in eine Schulphobie übergehen. Die betroffenen Kinder weigern sich dann, zur Schule zu gehen. Sie wollen unbedingt zuhause bleiben und klagen morgens über körperliche Symptome wie Magenschmerzen oder Übelkeit. Für die Eltern stellt das Verhalten ihrer Kinder oft eine schwierige Herausforderung dar.
 
Im Gegensatz zu normalen Kinderängsten, die mit zunehmendem Alter meist von alleine vergehen, sind Phobien, wie die Trennungsangst, langanhaltend und bedürfen professioneller Behandlung. Denn die Angst ist extrem stark ausgeprägt und für die betroffnen Kinder sehr belastend.
 
Der Atem stockt, das Herz rast. Plötzlich ist sie da – die Angst. Mindestens zehn Prozent der Deutschen leidet unter einer Phobie. Damit zählt die Angststörung zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Ob Angst vor Spinnen oder engen Fahrstühlen – Mehr als einhundert verschiedene Formen von Phobien sind bekannt. Eines ist ihnen jedoch gemeinsam: Die Angst ist unbegründet, unangemessen und wird durch per se harmlose Objekte verursacht. Das Empfinden entsteht bei der Phobie nicht aufgrund einer tatsächlichen Bedrohung, sondern bezieht sich auf imaginäre, subjektiv empfundene Gefahren.
Bei Kindern muss grundlegend zwischen normalen Kinderängsten und Phobien unterschieden werden. Denn ein wenig Angst vor der Dunkelheit oder vor Monstern unter dem Bett haben viele Kinder. Der Grund ist, dass sie noch nicht über soviel Lebenserfahrung verfügen wie Erwachsene und Ereignisse daher weniger gut einordnen können. Sensible Kinder reagieren schnell mit Verwirrung und Verunsicherung auf schauerliche Geschichten oder gruselige Bilder.

Drei- bis Vierjährige haben oft Angst vor Verletzung oder Tod. Oftmals können sie Gesehenes oder Gehörtes, wie etwa Gruselgeschichten oder unbekannte Fernsehsendungen, noch nicht richtig verstehen. Auch unbedachte Äußerungen der Eltern werden in diesem Alter häufig auf die Goldwaage gelegt. Drohungen oder die Androhung von Strafen, führen schnell zu Angst und Verstörtheit. Kinder in diesem Alter sollten daher nicht unüberlegt mit angstauslösenden Situationen konfrontiert werden. Normale Kinderängste vergehen mit der Zeit von alleine wieder, während Phobien bestehen bleiben.
 
Als Grundregel im Umgang mit Kinderängsten gilt: Kinder sollten in Bezug auf ihre Angst möglichst nicht unter Druck gesetzt werden. Sie müssen lernen, dass es in Ordnung ist, ab und zu Angst zu haben. Durch einen verständnisvollen Umgang und Gespräche über die Ängste des Kindes können die Eltern helfen, diese zu überwinden. Übervorsichtiges Verhalten ist hingegen nicht zu empfehlen, da es die Angst der Kinder beflügelt und letztlich verstärkt.
 
Die Behandlung von Angststörungen kann, wie auch bei Erwachsenen, durch eine Therapie oder die Einnahme von Medikamenten erfolgen. Eine spezielle Form der Behandlung von Kindern stellt die sogenannte „Spieltherapie“ dar. Ihr Ziel ist es, verdrängte Konflikte der Kinder spielerisch an die Oberfläche zu bringen. Das hilft den Kindern, ihre irrationalen Ängste zu überwinden. Mit Therapien können Phobien in der Kindheit meist erfolgreich behandelt werden.

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